Fotos eigener Kinder in sozialen Netzwerken

In ein paar Jahren können sich Kinder ihren Lebenslauf bei Google ausdrucken. Einfach „print“ klicken und fertig. 

Wer wie ich als Social Media Manager häufig in sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird sie unweigerlich finden. Die Fotos von Kindern. Und dabei spreche ich nicht von solchen Bildern, die man kaufen kann.

Viele der Freunde pflastern ihre sozialen Kanäle mit den Fotos ihrer eigenen Kinder, ohne überhaupt zu wissen, was sie ihren Kindern für die Zukunft überhaupt antun. 

Hier mal ein Foto vom gemeinsamen Urlaub, da ein Schnappschuss beim Eisessen, mit der Oma zusammen auf dem Spielplatz….. Die Liste lässt sich ewig fortführen. Und wer sich selber an die eigene Nase fasst, wird sich eingestehen müssen auch schon selbst auf ein süßes Kinderfoto, welches die Freunde veröffentlicht haben,  geklickt zu haben.

Kinderfotos in sozialen Netzwerken sind zwar süß, können aber erhebliche Gefahren mit sich bringen. Die wenigsten Eltern denken darüber nach, welche Konsequenzen sie in den sozialen Netzwerken haben. Facebook, Google & Co. sind Datenkraken. Täglich werden auf deren Servern unendlich viele Informationen verarbeitet und gespeichert. Natürlich geht Datenschutz jeden an, doch darüber möchte ich hier jetzt nun wirklich kein Fass aufmachen.

Der Schnappschuss am Strand: Häufig finden sich solche Fotos mit „leicht bekleideten“ Kindern.  Darüber machen sich Eltern keine Gedanken. Warum auch?

Doch wenn es z.B. um den aktuellen Fall Edathy geht, ist jeder in Aufruhr. Jeder fragt sich, wie kann das sein, dass der SPD-Politiker Nacktbilder von Kindern über einschlägige Portale gekauft haben soll? Auch hier will ich jetzt keine Diskussion führen.

Kommen wir aber zu den Cover-oder Profilfotos, die auf den einzelnen Profilen (bei Facebook) zu sehen sind.

Zuerst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass die Coverfotos für Jeden sichtbar sind. Sie können also von Jedem eingesehen werden, unabhängig von der eigenen Einstellung der Privatsphäre. Somit können die Cover- bzw. Profilfotos auch von Jedem auf dem privaten Computer gespeichert werden. Dies ist den meisten Eltern nicht bewusst.

Hier sollten sich Eltern die Frage stellen: Könnten solche Fotos auch auf einschlägigen Portalen verkauft werden, ohne dass ich etwas davon weiß?

Die Antwort: Man kann sich nicht sicher sein. Schon allein diese Antwort sollte ausreichen, dass man keine Fotos von seinen Kindern veröffentlicht.

Schauen wir uns auch das Urheberrecht an. Wer auf sozialen Netzwerken Fotos und Videos hochlädt, vergibt einen Teil seiner Nutzungsrechte an Bild und Ton an den jeweiligen Seitenbetreiber ab. Diese Vergabe an den Nutzungsrechten ist zumeist in den AGBs des Seitenbetreibers zu finden, welche sich die wenigsten durchlesen.

Zusätzlich gilt in Deutschland das Recht am eigenen Bild. Hat man also die Nutzungsrechte z.T. abgetreten, muss dennoch die Person, welche im Video zu sehen oder auf einem Bild abgebildet ist,  der Veröffentlichung zugestimmt haben. Erst dann ist die Veröffentlichung und die einhergehende Verbreitung legal. Wie schön ist es dann, dass die meisten Seitenbetreiber der gängigen Social Media Anbieter ihre Server in den USA haben, wo sowieso anderes Recht geltend ist.

Und dann noch so angemerkt: Bei Kindern ist das so eine Sache. Sie haben nämlich auch das Recht am eigenen Bild, sind jedoch meist wegen ihrem Alter nicht dazu in der Lage eine solche Entscheidung zu treffen. Hier müssen also die Eltern den verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien üben.

Betrachten wir uns selbst: Es gab Zeiten (ich weiß, lang ist es her), da hatte die digitale Revolution noch keinen Einzug in unser Leben gehalten. Da fotografierten die Eltern noch wie wild mit analogen Kameras drauf los. 36 Bilder und dann war der Film voll. Einige von ihnen haben auch noch Videos mittels High 8 gedreht. Wenn dann die Freundin oder der Freund zu Besuch kam, war es schon peinlich, wenn die Mutter das alte Fotoalbum ausgekramt hat. Womöglich noch mit Baby-Fotos.

Stelle man sich vor, die Eltern hätten die Kinderfotos im Gemeindebrief veröffentlicht oder an der nächsten Wand plakatiert. Übel.

Nun könnte man argumentieren, dass sich die jetzige Jugend ziemlich freizügig im Internet präsentiert. Denken wir aber nochmal 10 Jahre weiter, wird es sicherlich möglich sein, dass sich die derzeitige Generation (unsere Kinder) nur ungern (ohne vorher gefragt zu worden sein) sich dort wieder findet. Bis dahin kann sich die Gesetzgebung geändert haben (Die ändern ja ständig irgendwas) und schon hat nicht nur das Kind sondern auch der Personaler, der Professor, ja sogar der/die nächste Lebensgefährte/in Zugang zum Lebenslauf des Kindes von der Geburt an.

Toll, oder?

 

2 Comments

  1. Maira sagt:

    Erschreckend!
    Wen man jetzt noch vergleicht, das man früher die Bilder einfach von der Wand gerissen hätte und es heute unmöglich ist die Daten wieder los zu werden.
    Schöner Blog.
    Grüße Maira

  2. Vielen Dank, dass du so aufklärend in diesem Bereich bist. Ich finde auch, dass Fotos von Kindern absolut nichts im Web zu suchen haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.