Staatlich verwaltete Massenverwahrung von Kindern

Es ist wieder Wahlkampf und natürlich lässt es sich die hiesige Politikergarde nicht nehmen, die Themen Familie und Kinderbetreuung zu einem ihren Haupttheaterstücken zu machen. So konnten wir in den Medien vernehmen, dass bislang rund 27.000 Anträge auf das so genannte Betreuungsgeld gestellt wurden. Zudem gibt es nun ein gesetzliches Recht auf einen Kindergartenplatz für U3 (also Unter 3 Jährige Kinder).

§ 24 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII:

„Ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, hat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege.“
Das ist alles schön und gut, doch wie sieht das Gesetz aus, wenn es sich um die frühkindliche Förderung im Elternhaus geht? Wir leben in einer Gesellschaft, in der unsere Kinder in (ich nenne sie so) in staatlich subventionierten Massenverwahrungsanstalten von ihren Eltern getrennt werden.

Forschungen haben ergeben, dass das Gehirn in den ersten drei Lebensjahren einem enormen Entwicklungsprozess durchlebt.  Die Synapsen, welche für die kognitive, emotionalen und soziale Fähigkeiten zuständig sind, entwickeln sich in diesem Alter rasant. Im Zusammenspiel mit einer Hauptbezugsperson werden die Synapsen in einer Art Interaktion ausgebildet. Welche Auswirkungen hat es nun, wenn die Hauptbezugsperson (in der Regel die Mutter) in dieser frühkindlichen Entwicklungsphase gegen die Massenbetreuung ausgetauscht wird? Die Antwort auf diese Frage möchte ich hier gezielt offen lassen. 

Kommen wir wieder zu den Kitas und anderen staatlich verordneten Massenveranstaltungen. Zahlreiche Politiker/innen fordern, dass Kitaplätze kostenlos sein sollen. Ein schöner Wuschgedanke, der allerdings auf anderer Seite finanziert werden muss. Und jetzt muss man nur einfach raten, wer das sein wird. Allerdings könnte man damit endlich die undurchdringliche Bürokratie, welche mit einem Kita-Besuch verbunden ist, abschaffen. Im Gegenzug bedeutet dies auch, dass eine Umverteilung von Steuergeldern (zu Lasten der Kinder) stattfindet. Eltern erwirtschaften das Geld in jener Zeit, in der sie ihre Kinder in staatliche Obhut geben.

Es scheint die Politik habe es sich zur Chefsache gemacht, Eltern dazu zu bewegen,  ihr Kind in die Kita/Hort abzugeben. Schließlich soll man schnellstmöglich wieder arbeiten und damit das Steuersäckel füllen. Frauen wird das unter dem Deckmantel „Selbstverwirklichung“ und „Emanzipation“ verkauft. Wohl dem, der an seinem Wohnort ausreichende Infrastruktur vorweisen kann. Nimmt man eigentlich Frauen vor der Geburt zur Seite und erklärt Ihnen, dass sie hauptsächlich Kinder gebären, um diese dann in fremde Hände zu geben? Oder vielleicht, dass ein Einkommen bei den jährlichen Preissteigerungen kaum noch ausreicht? Da schwindet sie dahin, die Selbstverwirklichung und Emanzipation. Staatlich garantiert und von den Medien fokussiert. 

Also streitet man sich lieber über 100 Euro Betreuungsgeld, welches Familien erhalten, dessen Kinder in der Familie in den ersten zwei Jahren von der eigenen Mutter betreut wird. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem Betrag von 1200 Euro im Jahr pro Kind. Bedenkt man jedoch, dass EIN Kita-Platz im Jahr den Staat durchschnittlich 11.000 Euro kostet, könnte man im Angesicht klammer Kassen doch eine Menge an Geldern einsparen und den Eltern ermöglichen, nicht sofort ins Berufsleben zurückkehren zu müssen.

Stattdessen sollen Eltern sich produktiv in die Gesellschaft einfügen. Wer sich dem nicht unterordnen will, wird gezielt diffamiert. Der Wind hat sich gedreht. Nicht diejenigen, die ihre Kleinen in die Verwahrungsanstalten abschieden, werden „schief angesehen“. Es sind heute die Eltern, die ihre Nachkommen fernab dieser Anstalten betreuen. Schließlich lernt man Dinge wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen, Kritikfähigkeit, Selbsteinschätzung, gutes Benehmen, Höflichkeit oder Tischmanieren nicht im Kindergarten oder in der Schule. Dies lässt sich im Frontalunterricht nicht vermitteln, sondern beruht auf Nachahmung und das (mühsame?) Erlernen in der Familie. Kann man anhand solcher Entwicklungen das Verhalten der zukünftigen Generationen ausmachen? Steigt aus diesem Grund die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder, die teilweise sogar mit Medikamenten „ruhig“ gestellt werden?

Kommen wir jedoch auf die Kosten von Kita-Plätzen und dessen Einsparpotenzial zurück. Warum bleibt es Familien nicht selbst überlassen, ob sie ihre Kinder in die Verwahrungsanstalten geben oder nicht? Manch einer wird sich denken, man kann doch immer noch selbst entscheiden. Kann man das wirklich, oder ist man auf Grund von steigenden Kosten nicht doch eher dazu gezwungen? Was ist mit Eltern, die sich gegen Kita-Plätze entscheiden. Können sie einen solchen finanziellen Ausgleich erhalten, wie er vom Staat für einen Kita-Platz finanziert wird? Ist wohl auch eher eine Art Wunschdenken, da die meisten Eltern den Kita-Platz zusätzlich bezahlen müssen.

Bei solchen Diskussionen werden an irgendeinem Punkt auch die Alleinerziehenden erwähnt, welche Betreuungsmöglichkeiten benötigen. Wer als Alleinerziehende/r keinen Job mit einem guten Gehalt aufweisen kann, der ist quasi zu Hartz IV verurteilt. Darüber möchte ich jedoch keine Diskussion entfachen. Sondern vielmehr darum, dass es hier ebenfalls einen Zusammenhang geben könnte. Neben einem verbesserten Arbeitsumfeld bestünde noch die Möglichkeit, die Alleinerziehenden mit genau dieser durchschnittlichen Summe von 11.000 Euro im Jahr auszustatten. Dieses Modell wäre nicht unbekannt. Es kommt aus Skandinavien. Allerdings wird dort das Modell mit den üblichen Totschlagargumenten kritisiert. „Frauen mit geringer Bildung, niedrigem Einkommen und Migrationshintergrund wären überrepräsentiert“. Dies lässt sich jedoch auf den Umstand zurückführen, dass Frauen in Skandinavien fast soviel wie ihre männlichen Gegenstücke verdienen und sie deswegen gern arbeiten gehen. HInter hervorgehaltener Hand werden diese Frauen jedoch als „geltungsbedürftig“ bezeichnet.

Die staatlichen Massenverwahrungsanstalten werden zum Mittelpunkt zur Familie gemacht. Finanzielle Hilfen von Eltern nicht ausgeschlossen, so dass sich der Staat immer mehr aus seiner (finanziellen) Verantwortung ziehen kann. Bestes Beispiel dafür ist u.a. das Toilettengeld und die vielen unzähligen Fördervereine, welche den Kitas und Schulen mittlerweile anhängig sind. Wer nicht finanziell mitwirken kann oder will, dem werden gemeinsame Aktivitäten aufs Auge gedrückt. Wer nicht mitmacht, wird als „Sonderling“ begutachtet und hinterrücks verspottet. Diffamierungen im näheren Umfeld sind ebenfalls keine Seltenheit. Hat man keinen Einblick in solche Familien, muss etwas erfunden werden. Vertritt man dann noch eine andere Meinung als die Gesamtheit, wird man als Querulant abgestempelt. Doch genau die Gesamtheit ist es, die denjenigen Eltern auf die Schultern klopft, weil sie ihre Meinung öffentlich, anstatt selbst tätig zu werden.

Als Fazit möchte ich anbringen, dass die Familie von innen gestärkt werden muss. Derzeitig erhält man eher das Gefühl, dass das „Konstrukt Familie“ als veraltet gilt und zerstört wird. Beruhen die hohen Scheidungsraten vielleicht auf dieser Entwicklung? Mütter sollten zukünftig in ihrer Funktion akzeptiert und gefördert werden. Nicht selten werden sie als „dumme Hausfrau“ verunglimpft. Die Entwicklung, dass Eltern immer mehr als Störfaktor gelten, sollte aufgehalten werden. Den vielen Vätern und Müttern müsste wieder die Möglichkeit gegeben werden, mit ihren Kindern zu musizieren, ihnen vorzulesen, Ausflüge zu planen.  Und dies auch ohne erzwungene Solidaritätsgemeinschaften durch Kitas und Schulen. Kinder sollten nicht mehr nur vor dem Flachbildschirm oder der Xbox mit Computerspielen abgeladen werden, nur weil Mama und Papa abends zu Müde sind, um sich mit den Kindern auseinander zu setzen. Nicht nur die Eigenverantwortung, sondern auch die Selbstverständlichkeit Kinder zu erziehen muss einer Wandlung unterzogen werden.

©huldero @Flickr

©huldero @Flickr

Dazu bedarf es seitens der Politik und der Wirtschaft einiger Veränderungen. Die Frage ist jedoch, ist eine Veränderung wirklich gewollt? Bevorzugt man nicht doch eher die Vollkasko-Betreuung und schreit nach deren Ausweitung, so dass auch wirklich zu jeder Zeit das Kind fremdbetreut werden kann? Vielleicht sogar bis 22:30 Uhr, weil Mutti noch bis 22:00 Uhr im großen Kaufhaus oder im Einzelhandel an der Kasse sitzen muss. Schließlich genießen wir alle den Service bis 22:00 Uhr noch „shoppen“ gehen zu können.

Alles in allem lässt sich ableiten, dass eine Ausweitung der staatlichen Kinderbetreuung (und der damit verbundenen Kosten)  letztlich für jeden Steuerzahler zur Verlängerung der Arbeitszeiten und zu höheren Steuern beiträgt. Schöne neue Welt!

2 Comments

  1. Genau hier hat der Staat bereits vorgesorgt. In den letzten Monaten sind viele Firmen aus dem Boden gestampft worden, die Weiterbildungen zur Erzieherin usw. anbieten. Leistungsträger: die Argen. Muss ich da noch mehr schreiben?

    Über Fachkräftemangel lässt sich sicherlich viel diskutieren. Haben wir ihn wirklich? Den Fachkräftemangel. Gaukelt uns die demografische Entwicklung einhergehend mit der fortschreitenden technischen Entwicklung nicht ein falsches Bild in unsere Köpfe. In wie weit verändert sich unsere schulische Bildung usw.

  2. Kai sagt:

    Wenn ich das richtig verstanden habe, zahlt der Staat Betreuungsgeld an die Eltern, die sich selber um die Betreuung kümmern. Aber es gibt doch Fördergelder zum Ausbau der Kitas. Aber wahrscheinlich will der Staat das eigentlich gar nicht. Denn sollten alle Kitas gebaut werden, dann gibt es das nächste Problem: Fachkräftemangel. Wer soll dann die Kinder betreuen? Genau wie in der Pflegebranche gibt es kaum Fachkräfte dafür

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