Pünktlich in den Feierabend

Ich habe mich schon immer gefragt, wer es in der heutigen Zeit noch schafft pünktlich in den Feierabend zu gehen. Sicherlich sollte man schon seinen Arbeitsbeginn pünktlich antreten. Häufiges zu spät kommen oder auch früher in den Feierabend zu gehen, kann ein Kündigungsgrund sein. Doch davon möchte ich hier heute nicht schreiben.

Betrachtet man sich beispielsweise explizit den Einzelhandel, bedeutet die Schließungszeit nicht automatisch, dass man auch direkt Feierabend hat. Da müssen noch die Kassen gezählt werden, Verkaufskarren in den Markt gefahren werden etc. Dies gehört zur eigentlichen Arbeitsaufgabe hinzu und wird meist nicht als Überstunde gewertet. Es gehört mittlerweile zum Alltag, dass die „gute Viertelstunde“ nicht bezahlt wird.

Wie oft hören wir, dass durch Krankheitsfälle oder verspätete Mitarbeiter (wegen Unpässlichkeiten bei den deutschen Verkehrbetrieben und der Deutschen Bahn) die hiesigen Wirtschaft Verluste in Millionenhöhe entgehen. Kaum einer redet davon, wie viele Millionen Euro die Wirtschaft an nicht bezahlten Überstunden (also genau diese „normalen“ 15 Minuten) verdient. Doch lassen wir dieses Thema und wenden wir uns wieder dem eigentlichen Hintergrund meines Artikels zu.

Es soll schließlich Menschen geben, für die die Schließungszeit auch Feierabend bedeutet. In Kindergärten zum Beispiel. So soll man die lieben Kleinen bis um 16.30 Uhr abholen, weil dann die Kita ihre Pforten schließt. Schon um 16:00 Uhr fängt das große Reinemachen an. Da werden die Gruppenräume gefegt, die man anschließend auch nicht mehr betreten darf. Die noch übrig gebliebenen Kinder werden in einem kleinen Gruppenraum zusammen gepfercht. Außerdem lassen es sich die Erzieherinnen nicht nehmen, bereits um 16.20 Uhr fertig angezogen und mit der Tasche unterm Arm auf die Eltern zu warten, um endlich von den Bälgern erlöst zu werden. Nun könnte man davon ausgehen, dass die Kinder ebenfalls „abholbereit“ sind. Doch weit gefehlt. Jacken und Schuhe muss man sogar noch suchen. Dabei muss man unweigerlich in die Gruppen zurück und riskiert dabei auch noch „angemeckert“ zu werden.

Dann zum Wochenende hin, also Freitags, erfreuen sich die jungen Damen, wenn man bereits um 16.00 Uhr seinen kleinen Liebling abholt. Dann wird halt schon um 16.00 Uhr Feierabend gemacht. Auch nicht schlimm, denn Erzieherinnen müssen ja soviele unbezahlte Überstunden machen.

Ich möchte hier natürlich persönlich niemanden zu nahe treten, sollte sich also jemand in diesen Ausführungen wieder finden, was ich bezweifle. Denn bekanntlich ist das Recht sowieso immer auf deren Seite. Schließlich sind es ja deren Regeln sind und andere Aussagen werden nicht geduldet. Dies gilt übrigens auch für Lehrer.

 

2 Comments

  1. Hier sagt:

    Ich sehs bei meinem Vater. Der arbeitet immer mehr als er muss und das unbezahlt…

  2. Gerade Freiberufler/Selbstständige schaffen das nicht, kenne ich von mir, da gibt es noch dies und jenes zu machen und das muss heute noch erledigt werden usw.

    Bei vielen meiner Freunde und auch in der Familie gibt es nach der Arbeit 15-30 Minuten noch weitere „Arbeit“ die nicht bezahlt werden, diese verpacken die Arbeitgeber immer gut damit die Mitarbeiter nicht darüber meckern. Ich habe stets darauf bestanden entweder zeitgenau Feierabend zu machen oder die Zeit mir seperat bezahlen zu lassen.

    Wie sagte Martin Luther King schon: Niemand kann auf deinem Rücken reiten, wenn du ihn nicht krumm machst .

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