Manipulation des Arbeitsmarktes

Dass an den Arbeitslosenzahlen gedreht und geschraubt wird ist allgemein bekannt. In meinem heutigen Artikel möchte ich mich allerdings den Zeitarbeitsfirmen und den so genannten Recruitern widmen. In jungen Jahren hat es häufig ausgereicht bei den jeweiligen Arbeitgebern vorzusprechen. Teilweise musste man noch nicht einmal eine Bewerbung zusenden, sondern hat diese sofort mitgenommen, wenn man einfach so in den Laden „reinmaschiert“ ist, um sich einfach mal vorzustellen. 

So bin ich auch zu meiner Ausbildungsstelle gekommen. Heute ist das ein wenig komplizierter. Postalische Bewerbungen werden kaum noch verlangt. Vielmehr bieten Firmen eigene Jobportale an, der eine Software hinterliegt, welche die zahlreichen Bewerber von vornherein aussortiert. z.B. mangels Dateneingabe usw. Der Bewerbungsprozess ist maschiniert worden. Die einfachste und schnellste Art sich zu bewerben ist über E-Mail. Eine sehr praktische Sache. 

Allerdings sind die Wartezeiten bis man eine Antwort bekommt ziemlich lang. Diese Erfahrung dürfte bislang jeder zweite Bewerber gemacht haben. Keine Ahnung, warum man sechs Wochen für die Bearbeitung benötigt. Die Personaler müssen soviel zu tun haben, dass sie sich kaum retten können. Täglich tausende von Bewerbungen durchzuarbeiten kann sicherlich ziemlich anstrengend sein. Aber Abhilfe gibt es da schon: einfach mehr Personaler einstellen.

Vielmehr nutzen die meisten Firmen jedoch die Möglichkeit sich über so genannte Recruiter oder Zeitarbeitsfirmen das gesuchte Personal suchen zu lassen. Diese vermitteln dann die Arbeits(un)willigen an ihre Auftraggeber. Natürlich wird hier mitverdient. Nichts ist bekanntlich umsonst. Im Brei rührt auch die Bundesagentur für Arbeit mit. Wer sich schon einmal auf dem Internetportal der Agentur, die ständig ihren Namen wechselt, kundig gemacht hat, wird erkennen dass mindestens die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen über Zeitarbeitsfirmen laufen. Doch Zeitarbeitsfirma ist in den letzten Jahren eher zum Schimpfwort verkommen, also nennt man diese Institutionen einfach Personal-Vermittlungsagentur. Klingt ja auch viel besser. Nun stellen einige Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, die Behauptung auf, dass die meisten ausgeschriebenen Stellen überhaupt nicht existiert und man quasi als Karteileiche bei den Vermittlungsagenturen endet.

Wenn es Stellen zu besetzen gibt, so kann es dem Arbeitssuchenden passieren, dass er sich für eine Stelle mehrfach über mehrere Agenturen bewirbt. Wo da der Sinn der Sache sein soll, ist mir bisher schleierhaft. Hier scheint es eine seltsame Verbindung zu geben. Unterlagen der Agentur für Arbeit (oder wie immer diese jetzt auch heißt) besagen, dass man aus zahlreichen Begriffen insgesamt 5 zutreffende Aussagen über seine persönlichen Stärken tätigen soll. Dies können z.b. Motivation, Teamfähigkeit, Zielstrebigkeit etc.  sein.

Der Clou: Firmen, welche Mitarbeiter suchen, reduzieren Bewerber u.a. auf fünf Begriffe. Das ist doch toll, oder? So kann es auch passieren, dass man sogenannte Bewerbungsangebote erhält, welche nicht wirklich ins persönliche Leistungsprofil passen. Der Begriff „BewerbungsANGEBOT“ scheint hier besonders dehnbar zu sein.

Mittlerweile haben es die Personalvermittler so geschickt angestellt, dass man die vakanten Stellen nur noch über sie finden kann. Eine Bewerbung beim direkten Arbeitgeber ist nahezu ausgeschlossen. Dabei würde der Bewerber doch besser damit fahren, oder sehe ich das falsch?

Zeitarbeit soll bekanntlich zahlreiche Vorteile haben. Der Arbeitgeber wäre flexibler und das andere Gesülze. Und angeblich werden dadurch auch keine festen Arbeitsplätze abgebaut. Die Prozentsatz der in Zeitarbeit beschäftigten Mitarbeiter ist dennoch sehr hoch.

Ich möchte jedoch hier keine Lanze für Personalvermittler oder Zeitarbeitsfirmen brechen, aber auch nicht dagegen. Es ist nur seltsam, dass es heute schon fast gar nicht anders geht. Von wem das wohl gewollt ist?

Kann man eigentlich noch einen neuen Job ohne Arbeitsvermittlung, Personalvermittlung und Zeitarbeit finden?

 

6 Comments

  1. Sima sagt:

    Sorry, aber Zeitarbeitsfirmen sind moderne Formen der Sklaverei. Das wird wohl so ziemlich jeder bestätigen können, der mal in einer gearbeitet hat.

  2. paul sagt:

    Hi Hansi das wird wohl darauf ankommen in welcher Region des Landes du dich befindest, nicht überall sind die Mitarbeiter abweisend.

  3. Geraldine sagt:

    Die Leistungsquote, die die Vermittler zu erfüllen haben, hat das so auferlegt. Dass das System weder den zu Vermittelnden, noch dem Vermittler was bringt, spielt dabei bislang leider keine Rolle. Noch schmerzhafter finde ich diese ganzen sogenannten Qualifikationsmaßnahmen, die mit keiner brauchbaren Qualifikation enden. Das ist ein deprimierendes Bermuda-Dreieck von Steuergeldern.

  4. paul sagt:

    es ist gewollt das du keine eigene Arbeitsstelle findest, denn dann verdient der Vermittler nichts, auch bei ganz vielen Online Diensten der Fall, versuche mal Gigajob, fast 80% Vermittler, an die wirklichen Unternehmen kommt man selber nicht heran

  5. Julia sagt:

    Zeitarbeitsfirmen sind gut für die Flexibilität des Arbeitsmarktes, was wiederum allgemein gut für eine Ökonomie als ganzes betrachtet ist. Wenn man auf das Individuum schaut können Zeitarbeitsfirmen mitunter aber auch nachteilhaft sein und solche Vorgehensweise wie oben beschrieben halte ich meinerseits auch für eher zweifelhaft.

  6. Eine recht interessante Erfahrung kann man auch machen, wenn man bei der Abeitsagentur einläuft und die haben grade mal wieder von oben einen drauf bekommen, da merkt man dann schon, dass die einen wirklich vermitteln wollen, da wird nochmal ein Termin gemacht, und man solle doch selbst noch mehr machen, also schon lustig. Zeitarbeitsfirmen haben in manchen Branchen sicher ihre Berechtigung, jedoch habe ich noch nie davon Gebrauch machen müssen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.