200 Milliarden von Gaddafi – Wahrheit oder Lüge?

Die großen und auch die kleinen Medien haben es GANZ GROSS auf ihren Titelseiten geschrieben. Der getötete Machthaber Gaddafi soll insgesamt 200 Milliarden US-Dollar gehortet haben.

Unter Berufung auf hochrangige libysche Offizielle hatte die Washington Post vergangenes Wochenende einen Artikel veröffentlicht, in dem beschrieben wird, dass der libysche Diktator im Laufe seiner Regierungszeit Besitztümer in Form von Bargeld, Bankkonten, Immobilien, Goldreserven und Investments angehäuft haben soll. Selbstverständlich haben die restlichen Medien die Aussagen der Washington Post UNGEPRÜFT übernommen.

Doch wie sieht es wirklich aus? Hat Gaddafi wirklich soviel Geld angehäuft? Schließlich würde dies zu seinem „Image“ als pöser Diktator nur abrunden.

Was gegen diese Aussage spricht, ist dass unter Gaddafi der Staat Libyen nahezu Schuldenfrei war. Die genaue Staatsverschuldung lag bei 3,3 Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukt). Zum Vergleich: Japan hat eine Verschuldung von 197,5 % und Griechenland von 142,8 %.

Verdanken hatte Libyen den niedrigen Schuldenstand dem Öl, schließlich wurden täglich zwei Millionen Fass Öl aus dem Boden gepumpt. Im Gegensatz zu anderen ölreichen Ländern kam der Erlös nicht ausländischen Investoren sondern dem Staatsbudget zu Gute. So ist es auch kein Wunder, dass es in Libyen kostenlose Wasser- und Stromversorgung sowie ein kostenloses Gesundheits- und Bildungswesen gab.

Mit Betonung auf GAB, denn die meisten Städte in Libyen sind zerstört. Mehr als 30.000 Menschen mussten ihr Leben lassen und mehr als 50.000 Menschen wurden verletzt. Nun reiben sich die ausländischen Investoren, die für den Wiederaufbau berufen werden, die Hände. Aber kommen wir zurück zum Thema.

Hat Gaddafi nun wirklich 200 Milliarden US-Dollar besessen? Lediglich eine Hand voll Medien berichten die volle Wahrheit. Große Teile der 200 Milliarden US-Dollar wurden unter dem Namen staatlicher Institutionen geführt, wie die libysche Zentralbank, der Staatsfond, die libysche Auslandsbank, die staatliche libysche Ölgesellschaft und das libysch-afrikanische Investment-Portfolio.

Aber das passt nicht so schön ins Bild vom skrupellosen Diktator. Und ob es den Menschen in Libyen nun in Zukunft besser gehen wird, mag man anhand der Zahlen bezweifeln. Außerdem wäre interessant, wem nun die 200 Milliarden US-Dollar zufließen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.