Klartext zur Atomkraft

Die Bilder der vergangenen Tage sind wirklich schrecklich. Japan wurde von einer großen Katastrophe getroffen. Zuerst von einem Erdbeben heimgesucht, der dann einen Tsunami auslöste und weite Landstriche verwüstete. Die Zahl der Toten erhöhen sich stündlich. Bedingt durch die Vorkommnisse fielen in vielen Atomkraftwerken der Strom aus, Notstromaggregate fielen aus, ebenso die wichtige Kühlung der Brennstäbe.

Am Samstag passierte nun das, was man bislang vermutet hatte. Der Reaktor Nummer 1 vom dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi (Fukushima I) explodierte, so dass das Dach des Reaktors weggesprengt ist. Zusätzlich wurden weitere Störfälle aus weiteren Reaktoren des gleichen Kraftwerkes gemeldet, ebenso von drei anderen Kraftwerken.

Die Informationspolitik der japanischen Regierung schien nicht die Beste zu sein. In Japan ist „die Kacke wirklich am Dampfen“, wie man so schön sagt. Es gab starke Nachbeben, weitere Tsunami-Warnungen wurden ausgesprochen, ein Vulkan spuckte Asche und Gestein und zu allem Überdruss explodierte auch noch der Reaktor Nummer drei in Fukushima 1. Dabei hatte man noch versucht, die Reaktoren mit einer Mischung aus Meerwasser und Borsäure zu kühlen. Als ob das etwas bewirken könnte. So gab man in den Medien bekannt, es bestünde die Chance einer Kernschmelze. Bis zum letzten Wochenende hatten sicherlich 90% der Bundesbürger keine Ahnung, was das überhaupt bedeutet. Doch gut ausgebildete „Experten“ haben die Deutschen mittlerweile aufgeklärt. Und so behauptete man ebenso, dass es in den Reaktoren zu einer geringen Kernschmelze gekommen hätten sein können. Das ist genauso wie ein bisschen schwanger zu sein.

Obwohl es sich bei den Explosionen um Wasserstoffexplosionen gehandelt haben soll, sei keine oder wenn auch nur geringe Radioaktivität entwichen worden sein. In Myagi war die Strahlenkonzentration bis um das 700fache höher als normal. Im Radius von 20 km um Fukushima hat man dennoch zirka 300.000 Menschen evakuiert. Die WHO sieht in der radioaktiven Strahlung für die Weltbevölkerung, im Gegensatz zur Schweinegrippe, keine ernsthafte Gefahr gegeben. Allerdings gibt es ja nicht nur ein Atomkraftwerk bei dem die Kühlung ausgefallen ist und man die Gefahr einer Kernschmelze als „möglich“ einschätzt.

In Deutschland ging derweil die Diskussion um den Ausstieg zum Ausstieg des Ausstieges aus der Atomenergie wieder los. Hatte man sich vorab darauf beschränkt, den Opfern in Japan zu gedenken und Hilfe zu senden, war bereits anfänglich klar, die Ereignisse in Japan um die Atomkraftwerke sollen kein Politikum werden. Dieser Vorsatz hat ja lang gehalten. Anfangs kündigte die deutsche Kanzlerin an, die deutschen Atomkraftwerke auf ihre Sicherheit prüfen zu lassen. Dabei hätte man sicherlich festgestellt, dass sämtliche Reaktoren gegenüber Erdbeben gesichert sind. So viele Erdbeben gibt es ja in Deutschland nicht.

Seit dem heutigen Tag möchte man die Diskussion über die Laufzeitenverlängerung der Atomreaktoren für drei Monate abschalten. Das heißt allerdings nicht, dass man ab heute jedes Atomkraftwerk für drei Monate in Deutschland abschaltet. In drei Monaten wird man die Verhandlungen um die Laufzeitenverlängerung wieder aufnehmen. Dann ist das Thema nicht mehr ganz so aktuell und auch schon ein paar Landtagswahlen abgeschlossen.

Die Atomreaktoren von heute auf morgen einfach abzuschalten, funktioniert nicht. Was ist eigentlich mit den Menschen, die dort arbeiten? Die sind dann arbeitslos. Die dadurch fehlende Energie muss durch andere Energien aufgefangen werden. Bislang ist das leider noch nicht möglich, obwohl Deutschland eine Überproduktion an Strom vermeldet. Ferner sollte nicht nur Deutschland seine AKW abschalten, sondern auch andere Länder. Ereignisse wie in Japan zeigen wieder einmal wie unsicher diese Technologie ist, aber so lang das nur alle 25 Jahre vorkommt scheint es ja für einige in Ordnung zu sein.

Wir sollten dabei nicht vergessen, wie sich die Japaner nun fühlen und ihnen helfen. Es könnte uns auch irgendwann einmal treffen.

Und es kommt noch schlimmer. Wie stark die Strahlung in Japan ist und welche Langzeitfolgen sie haben, wird erst in den nächsten Jahrzehnten erkennbar.

1 Comment

  1. Die Lage in dem AKW in Fukushima (Japan) wird immer dramatischer und Überall beten Menschen für die Einsatzkräfte vor Ort. Aktuell macht die eine Twitternews der Tochter eines Helfers die Runde: Ihr 59 jähriger Vater hat sich für den Helfereinsatz gemeldet und setzt so sein eigenes Leben für viele andere Menschen aufs Spiel. Jetzt gibt es auf dieser Seite eine interessante Diskussion, wie man selbst handeln würde. Würdest du dein eigenes Leben opfern für eine große Zahl Leute?

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