Zwischen Leben und Leiden

Die aktuelle WW Hartz IV Diskussion ist nicht nur öde und polemisch, sondern erinnert in ihren Auswüchsen an eine Zeit, welche Deutschland schon längst hinter sich gelassen zu haben schien.

Da ist von Arbeitspflicht die Rede, von solidarischen Beiträgen und von der strengeren Behandlung bei so genannten „Arbeitsunwilligen“

Ganz nah an der Front, die deutschen Medien, die sich durch den letzten übertriebenen Vorfalls des angeblichen Amoklaufs nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Selbstverständlich versucht man den ruinierten Ruf ein wenig aufzupeppen, indem man vorgibt alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Da gibt es Talkrunden mit Herrn WW und den Betroffenen aus Hartz IV, auf der anderen Seite sprechen die Jobvermittler und gegenseitig wird einander mit teilweise üblen Tricks die Schuld in die Schuhe geschoben.

Aber worum geht es eigentlich bei der Diskussion?

Geht es um den „faulen“ Arbeitslosen, geht es um die falsche Lohnpolitik, geht es um polemische Wahlkampfstrategie oder geht es nur darum, um von einem anderen weitaus schlimmeren Thema abzulenken.

Hartz IV vs. Leistungsträger

Oft muss der Hartz IVler  nur dafür hinhalten, dass er angeblich arbeiten gehen will. Viele Hartz IVler WOLLEN arbeiten. Aber wenn keine Arbeit da ist, dann geht das nun mal nicht.  Unsere Arbeitsmarktpolitik scheint unfruchtbar geworden zu sein, oder setzt falsch an. Vielleicht sollten manche Unternehmen ihre Arbeitsmarktpolitik überdenken, anstatt immer nur den Weg des größten Profits zu praktizieren. Und im Endeffekt ist immer einer der Leidende. Egal ob Hartz IVler oder der Steuerzahler. Aber das faule Gesochs soll jede zumutbare Arbeit annehmen und am Besten auch noch unter Tarif. Wenn nicht, gibt es Strafen. Die sollen weiter ausgebaut werden. Arbeit muss sich wieder lohnen oder Arbeit lohnt sich nicht. Egal wie man es dreht oder wendet – es hört sich nach Wahlkampfretorik an.  Nicht Hartz IV  ist das Problem, dass Menschen angeblich nicht arbeiten wollen. Es ist kaum Arbeit da. Die Unternehmen streichen Arbeitsplätze, weil es doch der Wirtschaft so schlecht geht. Und mittlerweile sind die Menschen dazu bereit, für wenig Geld arbeiten zu gehen, damit sie ja ihren Arbeitsplatz nicht verlieren. Die Folge ist: Lohndumping. Im Übrigen wurde die Zumutbarkeitsregelung seid Hartz IV bereits mehrmals verschärft. Leistungsentzug gibt es bereits, wie will man dort noch verschärfter handeln? Weiterhin werden die Verdienste aus den so genannten 400 € Jobs bereits angerechnet. Man hat nur einen gewissen monatlichen Freibetrag, alles andere wird angerechnet.

Schon jetzt belegen Studien, dass gerade Alleinerziehende unter den Hartz IV Gesetzen leiden, dass die Kinderarmut größer wird. Kindergeld wird ebenso auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Ebenso wie Unterhalt. Manchesmal kommt es sogar vor, dass der Unterhalt so hoch ist, dass der Kindesunterhalt rechnerisch dazu führt, dass damit das H4-beziehende Elterteil im Lebensunterhalt unterstützen muss. Ob dies rechtskonform ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich denke es ist nicht rechtskonform.

Sobald es den Banken an den Kragen ging, konnte unsere Bundesregierung Milliarden an Steuergeldern locker machen. Als es darum ging, dem Hotel und Gaststättengewerbe dementsprechende Steuergeschenke zu machen, war man ebenso schnell dabei. Aber in der aktuellen Diskussion geht es nur um Hartz IVler, die laut Herrn WW ihr Geld lieber in Fernseher als in ihre Kinder investieren. Daher müssten schließlich auch Bildungsgutscheine her.

Manche Aussagen der derzeitigen Politiker erinnern an die infamen Diffamierungen aus dem 3. Reich. Nur dass es diesmal nicht die Juden sind, welche denunziert werden, sondern unbescholtene Bürger, welche alle über einen Kamm geschoren werden. Anstatt wirkliche Lösungsansätze zu liefern, bedient man sich billigster Polemik. Da spricht man sogar von Arbeitspflicht. Egal ob nun ein KZ drumgebaut ist oder nicht.

Manche fordern sogar das Schneeschüppen für H4ler.

Über manche Menschen kann man einfach nur noch den Kopf schütteln.
Betrachten Sie sich bitte die große Anzahl der Menschen in Deutschland die Ehrenamtlich arbeiten, die bekommen keinen Cent für Ihre Arbeit und gehen dennoch ihren Tätigkeiten nach. Anstatt über Bildungsgutscheine, verschärfte Maßnahmen und Geldkürzung nachzudenken, sollte man über die Einführung eines BGE nachdenken.

Für alle die weitere feindliche Angriffe auf die so genannten Sozialschmarotzer finden möchten, sei hier dieser Link  ans Herz gelegt, aus dem ich zitieren möchte:

Die 10 Standardargumente für den angehenden Sozialrassisten

  • „Ich kenne 5 (10, 20, 100) Hartz4-Empfänger und die haben ALLE nen Flachbildschirm zuhause, rauchen Kette und tragen Markenklamotten“
  • „Die Mehrzahl der Hartz 4 Empfänger bekommt 3 (4, 5, 10) Kinder, weil mehr Kinder gleichzeitig mehr Einkommen für Kippen und Alkohol und 1 (2, 5, viele) Flachbildfernseher mit 2 (3, 5, 10) m Bildschirmdiagonale bekommen“
  • „Urlaub wollen die? Ich arbeite 40 (60, 80) h die Woche hart dafür und hab seit 20 (30, 40) Jahren keinen Tag mehr Urlaub gehabt und krank war ich auch nie. Überhaupt, wer zahlt eigentlich das alles? Das zahlen doch wir Leistungsträger und Steuerzahler“

Und wie beschrieben, das sind nur Zitate. Nun muss jeder selbst überlegen, was er davon hält.

Zitat2: «es gibt zu viele Fälle, in denen die Leistungen, die eigentlich für die Kinder gedacht sind, in einen neuen Fernseher investiert werden»,

Gute Nacht und armes Deutschland. Die rechten und denunzierenden Parolen haben endlich einen Platz in der Gesellschaft gefunden. Arbeit muss sich in Deutschland wieder lohnen. Am Besten mit einem Mindestlohn von einem Euro. Oder für nen Appel und nen Ei.

2 Comments

  1. Danke fuer den Hinweis. Lernspielzeug kann Kindern helfen sich zu entwickeln.

  2. Dario Mangon sagt:

    Bitte schreib wieder öfter Artikel in den Blog.

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