Kinder, Kinder

Wenn man ein Kind ist, passieren einem schon seltsame Dinge. Gerade Erwachsene machen es einem nicht leicht. Sie haben immer leicht Reden! Erst recht wenn es darum geht, etwas zu fragen oder etwas zu verbieten. Dort scheinen Erwachsene, insbesondere Eltern, einen unbegrenzten Einfallsreichtum zu besitzen. Eltern denken sich die wildesten Geschichten aus, um uns Kindern einen Grund zu nennen, warum man dies oder jenes nicht darf. Die Ausreden der Eltern sind grenzenlos lustig. Oft kann man nur an deren Menschenverstand zweifeln.

So erzählte mir meine Mama letztens, dass man von zu langem fernsehen viereckige Augen bekommt und schaltete den Fernseher mit meiner Lieblingssendung aus. Viereckige Augen? Ich lief schnell zum Spiegel, aber meine Augen sahen so aus wie immer. Nüchtern betrachtet bekommt man viereckige Augen höchstens in Form einer Brille, die aber auch manchmal rund sein kann. Über die  fehlende Fernsehunterhaltung war ich enttäuscht, hatte ich Mama doch den ganzen Tag daran erinnert, dass es wohl mal wieder an der Zeit wäre das Sandmännchen zu schauen. So blieb nur ein Gutes, das Sandmännchen konnte mir KEINEN Sand in die Augen streuen und somit war ich an diesem Abend auch gar nicht müde. 

Ein anderes Mal habe ich im Supermarkt so lange an der Kasse gequengelt bis Papa mir Kaugummi kaufte. Den Kaugummi gab es in vier verschiedenen Farben, die Kugeln waren auf goldenes Papier geklebt und funkelten im Supermarktlicht. Normaler Weise quengle ich ja nicht so viel, aber das Mädchen neben mir, hatte ihren Papa so doll um Kaugummis gebeten, dass ich dies auch einmal versuchen wollte. Umso glücklicher war ich, als ich das Kaugummi in meinen Händen hielt. Ich bekam es jedoch nur unter einer Bedingung. Ich durfte das Kaugummi nicht herunter schlucken. „ Das verklebt den Magen“ hatte Papa gesagt.

Ich hätte Papa alles versprochen nur um diese Kaugummis zu bekommen, also stellte die Bedingung kein großes Problem für mich dar. Bis wir im Auto saßen. Ich hatte einen Moment nicht aufgepasst und….da passierte es, ich verschluckte den Kaugummi. Ich war in Panik. Jetzt sollte mein Magen verkleben? Ich bekam Angst. Was sollte ich bloß Papa erzählen? Ich hatte ihm doch versprochen, dass ich den Kaugummi nicht runterschlucke. Erst kaute ich ein wenig auf  meinen Zähnen herum, damit Papa nichts merkte. Das war weniger lustig und tat dazu noch weh, weil ich mir auf die Backe biss. Also schnell ein weiteres Kaugummi in den Mund. Wir fuhren nach Hause und Papa musste an einer Ampel bremsen und so kam es das ich das zweite Kaugummi verschluckte. So ein Mist! Doch da ging mir ein Licht auf. Hatte ich doch vorher mit dem Kaugummi gespielt. Aus Kaugummi kann man nämlich super tolle Strippen ziehen, das hatte mir Laura aus dem Kindergarten gezeigt, als sie mal bei mir zu Besuch war. Eigentlich hätten meine Hände verkleben müssen. Nichts dergleichen geschah.

Da also ein Kaugummi nicht an den Händen klebt, kann ein Kaugummi folglich auch nicht den Magen verkleben. Die einzigen natürlichen Feinde des Kaugummis sind auf jeden Fall lange Haare, mehr aber auch nicht.

Bevor ich es vergesse, letzte Woche habe ich morgens mal wieder ein wenig getrödelt. Mama schimpfte wie wild, da ich nach dem Baden noch nasse Haare hatte. Mit nassen Haaren sollte ich nicht in den Kindergarten gehen, sonst würde ich mich erkälten. Davon war Mama überzeugt. Dabei hatte mir Oma erklärt wie man eine Erkältung erhält. Nämlich durch Viren oder Bakterien und nicht wegen nassen Haaren. Bakterien, das sind so Dinger mit Fühlern oder so. Ich weiß es jetzt aber auch nicht mehr so genau. Mama guckte ganz schön komisch aus der Wäsche als ich ihr erklären musste wie man Husten und Schnupfen bekommt. Dabei muss sie es doch gewusst haben, schließlich hatte sie ein paar Tage zuvor eine Erkältung. Mit nassen Haaren ist sie jedoch nicht zur Arbeit gefahren. Das ist alles schon sehr seltsam.

Sind Erwachsene nun notorische Schwindler?

Kinder stellen sich diese Frage sehr oft, da wir Kinder immer die Nasen der Erwachsenen beobachten. Von Lügen bekommt man angeblich lange Nasen und kurze Beine. Wer soll das denn glauben? Gibt es wirklich Kinder die das glauben? Ich möchte nicht wissen, wie viele Kinder schon die Nasen ihrer Eltern beobachtet haben. Sie werden einfach nicht länger. Oder gibt es bei Erwachsenen ein Gesetz, welches ihnen lange Nasen bekommen verbietet? Oder gibt es vielleicht ein Gesetz welches nur für Pinnocciooos und Kinder gilt? Das nur sie lange Nasen bekommen. Dann müssen aber die Picassolinis in meinem Kindergarten viel gelogen haben. Die Kinder dort haben nämlich sehr kurze Beine. Die Nasen der Erwachsenen zu beobachten ist also reine Zeitverschwendung.

Zur Weihnachtszeit habe ich Mama heimlich dabei beobachten können, wie sie  ein riesiges Geschenk eingepackt hat. Am heiligen Abend behauptete sie, der Weihnachtsmann hätte das Geschenk verpackt. Das war ganz klar eine Lüge gewesen, das kann ich mit meinen eigenen Augen beschwören. Ihre Nase blieb so wie immer und kürzere Beine hatte sie auch nicht gekriegt. Das mit den langen Nasen und mit den kurzen Beinen ist also totaler Humbug. So eine Art Seemannsgarn, so nennt Opa seine Geschichten, die er uns Kindern oft erzählt, wenn wir bei unseren Großelterneltern zu Besuch sind.

Fest steht:

Erwachsene sind oft nicht zu gebrauchen. Manchmal helfen sie einem gar nicht weiter. Wenn ich mich beispielsweise mit meiner Schwester streite, ermahnen sie uns: „Ihr sollt nicht streiten“ Dabei sagen sie das nur, weil wir oft laut dabei sind und sie genervt sind. Warum wir uns streiten interessiert sie nicht, auch nicht wenn meine Schwester mal wieder angefangen hat. Da versuche ich auf Kleinste zu erläutern, warum ich nicht mit dem Streiten angefangen habe und ich auch wirklich nicht in Schuld am Streit bin, schon bekomme ich zu hören, dass ich doch der Ältere bin. Bei Opa ist das viel besser, er nimmt mich immer in Schutz. Er behauptet das Streiten die Selbstkon-Rolle und das Einfühlungs-Vermögen fördern.

Ich glaube das hat irgendwas mit Banken zu tun. Mama erzählt oft etwas von Vermögen und was das alles kostet, wenn ich aus Versehen etwas kaputt mache. Papa sagt nämlich, dass er für seinen Chef ein Vermögen macht, er aber nur das davon bekommt, was sein Chef ihm gibt. Der hat sein Vermögen bei der Bank, genauso wie Papa seines bei der Bank hat. Davon hat sich Papa vor kurzem ein weißes Ding mit einem Apfel drauf gekauft und musste nur eine Karte beim Elekrofritzen abgeben. Auch hier hatte Mama geschimpft. Die Karte hatte Papa aber sofort wieder bekommen, so dass Mama gar nicht mehr schimpfen konnte.

Es läuft also so: Papa geht arbeiten, macht ein großes Vermögen, sein Chef geht zum Bankenheini, der wiederum gibt Papa ein kleines Vermögen zurück und eine Karte, die er dann beim Eletrofritzen und bei der Supermarkttante abgeben kann. Warum das ganze so geheim ist, weiß ich allerdings nicht. Da machen Erwachsene immer einen großen Wirbel drum. Ich habe bei dem Chef von meinem Papa gestern auch gearbeitet. Es war ganz schön anstrengend und ich bin kaum an die Mülltonne dran gekommen, aber ein kleines Vermögen und eine Karte habe ich nicht bekommen.

Erwachsene sind schon sehr komplizierte Wesen, genauso wie Eltern. Gerade wenn es die Eigenen sind. Aber manchmal sind sie auch schwer in Ordnung. So stimmt es, dass man bei rot nicht über die Ampel gehen soll (Mama grinst immer, wenn ich andere Erwachsene ausschimpfe, wenn sie sich nicht an diese Regel halten) Die ist nämlich LEBENSWICHTIG.

Und auch wenn ich nichts vom Boden aufheben soll, so freut sich Papa immer, wenn ich Geld finde. Das darf ich gleich in meine Spardose stecken. Ich finde ziemlich oft Geld. Es springt mich an, weil es so schön glitzert. Oma sagt, ich sei reich und hätte ein Vermögen. Für ein Auto würde es zwar noch nicht reichen, aber ich habe noch eine Menge Zeit erwachsen zu werden und zu sparen. Ich kann ja mal den Bankenheini fragen, ob er vielleicht eine Karte für mich übrig hat.

1 Comment

  1. Feli sagt:

    gute Fragen…
    und wieso dürfen eigentlich Erwachsene immer Dinge tun, die Kinder nicht dürfen? Wie zum Beispiel sich streiten?
    Weil sie schon „groß“ sind?
    Aber was ist mit den Kindern, die dann so groß sind wie die Eltern selbst? Dürfen die dann auch alles? Oder sind sie dann trotzdem zu klein?
    Und wie lang bleiben Kinder Kinder? Die Eltern bleiben ja auch die Eltern, dürfen die dann den Kindern immer noch sagen, wie das Leben funktioniert?
    Dann ist das ja wie eine Kette, die nie zu Ende geht…
    Fragen über Fragen…

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